Die Schweiz ist ein wunderbares Land in der Mitte Europas, gesegnet mit hohen Bergen, schönen Seen und wunderbaren Wäldern und Wiesen. Ja, diesem Kleinod südlich von uns haben wir einen Besuch abgestattet. Und das war gar nicht so leicht:
Als arme Berliner wollten wir die Autobahnmaut umgehen und deshalb die wenigen Kilometer von Schaffhausen nach Zürich auf Bundesstraßen zurücklegen. Wer annimmt, dass sich die Schweiz, ein bekanntlich wohlhabendes und modernes Land, anständige Wegweiser leisten kann, der irrt gewaltig. Hier wird kräftigst gespart. Angezeigt werden grundsätzlich nur die nächsten Käffer, natürlich ohne Kilometerangaben. Von größeren Städten merkt man erst etwas, wenn man das Ortsschild passiert. So haben wir eine kleine Schweizrundfahrt absolviert, bevor wir in Zürich ankamen – war trotz zahlreicher Umwege sehr nett und aufschlussreich (Schweizer Fahnen sind sogar auf Scheunentore gemalt!).
Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle die wirklich sehr schöne neue Wohnung meines geschätzten Bruders und seiner Freundin, in der man sich fast verlaufen könnte. Auf jeden Fall eine wesentliche Verbesserung zu früher. Aber ich höre lieber gleich mit dem Lobgesang auf, bevor noch mehr Leute auf die Idee kommen, die beiden mit Besuchen zu überschwemmen.
Ach ja, festgenommen wurde ich auch fast. Wie das kam? Alle vier waren wir beim Schweizer Bauhaus, Ikea, Interio und auf einem Schweizer Mistplatz, der eher einen Charme eines Hochsicherheitsgefängnisses hat, als einen Ort zum Wohlfühlen. Ja, ich mag Mistplätze als Ort des Proletariats und der Wiener Gemütlichkeit. Aber nun weiter im Text: Wir fahren also dorthin, werden kurz gewogen (um nachher festzustellen, wie viel wir abgeladen haben) und stellen Tobi ab. Ich stürze raus und möchte diesen historischen Moment mit meiner Kamera festhalten. Plötzlich schleicht sich ein Mitarbeiter vorsichtig an unser Auto ran und stellt mich zur Rede, weshalb ich hier fotografiere, denn das sei – ihr ahnt es bestimmt schon – in der Schweiz verboten. Was nun....Fotografieren an sich? Nein, nein, eben nur am Mistplatz. Anna und David konnten mich nur mit Müh und Not vor der Verhaftung retten und so verschwand ich schnell im Inneren meines Tobis. :-) Kaum 3 Stunden im Land und schon wegen Mistplatzarbeitskraftzersetzung vor Gericht. Das wären doch Schlagzeilen gewesen!

Für dieses Foto landete ich fast im Schweizer Knast!
Der Abend ist schnell erzählt, wir haben bei strömendem Regen auf dem Balkon gegrillt – köstlich – und mein Blutsbruder Ranger hat uns Gesellschaft geleistet.
Nach einer wunderbar angenehmen Nacht auf dem neuen Gästebett – jetzt aber Schluss mit der Schwärmerei – und einem ausgedehnten Frühstück ging es wieder zurück Richtung Schaffhausen. Ja und ihr ahnt es vielleicht, wir haben uns wieder verfahren. Ganz brav, wie mit David besprochen fuhren wir auf den betreffenden Bundesstraßen entlang nach Norden. Doch dann Baustelle und eine Umleitung. Eine Umleitung in der Schweiz muss man sich etwas anders vorstellen als bei uns. Es gibt kleine, fast winzige orangene Pfeile, die an manchen (!) Kreuzungen montiert sind – allerdings unbeschriftet – und so ist es jedes Mal ein fröhliches Raten, ob man nun in die eine oder andere Richtung sollte. Falls mal doch auf einem Schild eine Ortsangabe zu lesen ist, muss man unbedingt wegsehen, denn diese waren meist falsch und haben uns im Kreis herumgeführt. Nach einigem Hin und Her haben wir dann unseren Weg von der Hinfahrt gefunden und so wieder die Europäische Union erreicht.

Eine Schweizer Umleitung - nur wohin?
Aber es war trotz Regen und meiner drohenden Haftstrafe wie immer wunderschön. Ich rege nur an, wenn die Schweiz mal der EU beitritt, dann sollten wir gemeinsam den armen Schweizer eine komplette Wegweiserausstattung spenden. Sozusagen ein kleines Care-Paket für die Schweiz! ;-)

Und so war leider das Wetter an diesen Tagen (Blick auf den Bodensee)
spreequelle - 11. Aug, 17:26